Lister

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Gründung

Die Firma R.A. Lister & Co wurde im Jahre 1867 von Sir Robert Ashton Lister (1845-1929) in Dursley, Gloucestershire, England, gegründet. Zunächst wurde Landmaschinen, wie z.B. Milchzentrifugen, Schafschermaschinen, Milchkannen und Holzfässer gefertigt.

Beginn der Motorenherstellung

1909 erwarb Lister von der in London ansässigen Firma F.C. Southwell & Co. eine Lizenz für den Bau von Benzinmotoren. Die Konstruktion dieser Motoren war an Produlte der in den USA ansässigen Firma Stover Manufacturing and Engine Company angelehnt. Lister konnte somit auch den Antrieb für seine Motoren anbieten.

Über das Zustandekommen der Lizenz gibt es eine nette Anekdote: Charles Ashton Lister (der Sohn des Firmengründers) war geschäftlich in London. Dort half er einem fremden Mann auf, der auf Pferdekot ausgerutscht war. (Der Pferdekot auf den Straßen war in London zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein großes Problem) Dabei fiel sein Blick auf technische Zeichnungen von Benzinmotoren, die der Fremde hatte fallen lassen. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der Fremde Mr. Southwell war. Er erklärte, dass er die Entwürfe der Firma Petter zur Lizenzfertigung anbieten wollte. Charles Lister konnte Southwell aber überzeugen, dass seine Firma besser für das Vorhaben geeignet sei. So kam es schließlich zur Motorenfertigung bei Lister.

Während des Ersten Weltkriegs wurden hauptsächlich Benzinmotoren, Stromaggregate und Munition für das Kriegsministerium (war department) hergestellt. Viele der Arbeiter waren im Kriesdienst, zum Ausgleich musste vorübergehend eine größere Anzahl Arbeiterinnen eingestellt werden. Nach dem Krieg zog sich Sir Robert Lister in den Ruhestand zurück und übertrug die Leitung der Fabrik an seine Enkel Robert, Frank, Percy und George (die Söhne von Charles Ashton Lister) und Herrn A.E. Mellerup. Charles Ashton Lister hatte sich mit seinem Vater verstritten und leitete ein anders Unternehmen mit Sitz in Kanada.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Fertigung von Milchkannen und Fässern mangels Rentabilität aufgegeben. Das Überangebot an gebrauchten Motoren und Stromaggregaten aus Militärbeständen erschwerte den Absatz erheblich. Im Verlauf der 20er und 30er Jahre erlebte die Firma aber dann einen rasanten Aufschwung. 1926 war die Belegschaft auf 2000 Angestellte und Arbeiter gestiegen. Das Unternehmen führte 3-Schicht-Betrieb ein und erweiterte die Produktpalette. Besonders groß war der Absatz in den britischen Kolonien, z.B. Australien und Neuseeland, wo die Schafschermaschinen sehr gefragt waren.

Dieselmotoren

Im Jahr 1929 starb Sir Robert im Alter von 84 Jahren. Im selben Jahr wurde der erste von Lister selber entwickelte Dieselmotor vom Typ "CS" ("cold start" - Kaltstart) hergestellt. Der Einzylinder leistete 9 PS und wurde es als Lister 9-1 (1 Zylinder, 9 PS) bekannt. 1930 gesellten sich die Typen 5-1, 10-2, 18-2 und 38-4, 1931 der 27-3 und 1933 der 3-1 hinzu. Alle Lister-Motoren wurden traditionell in der Farbe "medium Brunswick Green" lackiert, das noch heute von Lister-Petter verwendet wird.

Der CS war ein langsamlaufender (600 U/min), robuster Motor für den Dauerbetrieb von Generatoren oder Bewässerungspumpen. Vor allem in den Commonwealth-Ländern hatten sie einen legendären Ruf. Manche CS-Motoren liefen jahrzehntelang störungsfrei in Landwirtschaft, Industrie und Stromerzeugung.

Bis 1936 produzierte Lister 600 Benzin- und Dieselmotoren in 80 verschiedenen Größen und Typen, von denen die meisten nur eine geringe Leistung von 1,5 bis 3 PS hatten. Sie wurden sowohl einzeln, als auch in Aggregaten und Maschinen, wie z.B. Stromerzeugern, Pumpen, Milchzentrifungen, Flurförderfahrzeugen, und Schafschermaschinen angeboten.

Der erfolgreichste Motor war der "Lister D", der ab 1931 gefertigt wurde. In den meisten Ausführungen leistete er 1,5 PS bei 700 U/min. Mehr als 250.000 D-Motoren wurden bis 1964 gebaut. 1937 übernahm Lister die Firma Blackstone & Co.

Vor dem 2. Weltkrieg hatte Lister auch eine Niederlassung in Deutschland, die "R.A. Lister GmbH" in Köln. Die von dort aus verkauften Motoren hatten deutsche Beschriftung, es gab auch Prospekte und Bedienungsanleitungen auf Deutsch.

Im zweiten Weltkrieg wurde wieder hauptsächlich für das Militär produziert. Um den kriegsbedingten Bedarf zu decken wurden in den 40er Jahren 3 weitere Werke eröffnet.

Nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte Lister die Firma "Marine Mountings" von Swindon von der Admiralität. Dort wurde der Lister D bis 1963 produziert. Dadach wurden dort die Typen SR, SL und LD mit 1-4 Zylindern gefertigt. Zwar profitierte Lister vom guten Ruf und der Qualität der Produkte. Konkurrenzdruck und hohe Lohnkosten machten Höhnenflüge wie vor dem Krieg aber unmöglich. In Übersee wurden die Lister-Motore zudem unerlaubter Weise nachgefertigt (sog. "Listeroids").

Übernahme und Niedergang

Als Charles Ashton Lister 1965 starb, wurde Lister von der Hawker Siddeley Group erworben, die 1957 den Haupkonkurrenten Petter gekauft hatten. Die Motorenfertigung wurde unter der Marke "Lister-Petter" zusammengefügt.

1966 wurde das Gresham & Craven-Werk in Walkden aufgekauft. Dort gab es eine große Eisengießerei, Modellschreinerei und Maschinenwerkstatt. Dort wurden fortan Motorenteile gefertigt, die vorher von Zulieferern gekauft worden waren, z.B. Zylinderköpfe, Kurbelgehäuse, Schwungräder, Zahnräder und weitere Kleinteile.

Lister-Petter heute

In den folgenden Jahren wurde Lister-Petter mehrmals verkauft und in Fusionen eingebracht, während der Absatz an Motoren immer weiter abnahm. Der Standort wurde mehrmals verlagert. Heute produziert Lister-Petter in Gloucester mit ca. 80 Mitarbeitern 175 Kleindieselmotoren pro Woche.

Internetseite von Lister-Petter

Links

Auf der Homepage von Peter und Rita Forbes aus England gibt es eine Menge Infos zu Lister-Motoren, wie technische Daten, Unterschiede der verschiedenen Versionen (engl. "specs") und Einbauvorschriften. Eine sehr nützliche Fundgrube, Text nur auf Englisch:

http://www.stationary-engine.net/ListerData/TechData.htm